Hier findest du einige meiner Gedanken zum Solo-tauchen

Solo-tauchen
„Wie kann ein Taucher so verantwortungslos sein, und ohne Buddy tauchen gehen???“
Solchen oder ähnliche Sprüche muss man sich oft anhören, wenn man neben „Hochqualifizierten“ Sporttauchern oder auch manchen pseudo Tekki ins Wasser geht. Die Gegenfrage dazu lautet:
„Warum kann ich meine Problem nicht allein lösen und brauche unbedingt jemanden, der meine Ausbildungsdefitite ausgleichen muss.“
Aber warum tauche ich gern auch mal solo?… ganz einfach: Ich kann mich voll auf mich selbst, meine Ausrüstung oder meine Aufgabe unter Wasser konzentrieren. Voraussetzung ist natürlich, dass ich immer einen Plan B in der Tasche habe. Das ist aber eigentlich sowiso Bestandteil einer jeden Tec Ausbildung. Dort lernt man was zu tun ist, wenn Gas x oder y verloren geht, ein Atemregler ausfällt, der Trocki seinen Auftrieb verliert usw.
Diese Optionen hat ein Sporttaucher natürlich nicht. Hat die 1. Stufe einen Defekt, dann zeigt sich, ob hier wirklich ein BuddyTEAM unterwegs ist. Nicht selten merkt der Sport Buddy erst nach Minuten, dass sein Kumpel nicht mehr da ist. Wer das mal live erleben möchte, einfach im Sommer in Hemmoor am Rüttler ans Ende der ersten Treppe legen und zuschauen…
Natürlich ist ein Buddyteam eine tolle Sache. Aber wann werden 2 Taucher ein Team? Nach 50 oder mehr gemeinsamen Tauchgängen… und manche werden es nie!
Ach ja… ich habe bei der PSAI – Germany (Professional Scuba Association International) im Jahr 2009 meine Solo Taucher Ausbildung gemacht.
Beim Tauchen, und gerade beim Höhlentauchen oder dem Tauchen an tiefen Wracks in der Dunkelheit der Ostsee (vor Kleipeda) merkt man schnell, dass die Psyche beim Tauchen eine entscheidende Rolle spielt. Wer kennt es nicht: man macht einen schönen Tauchgang in einer Höhle oder in einem Wrack und plötzlich erzählt einem der kleine Mann im Kopf: „was machst du hier? Es ist gefährlich!“. Ein erfahrener Taucher erkennt sofort die Situation und bricht ggf. den Tauchgang ab und freut sich, gesund nachher ein Bier genießen zu können. Der Anfänger oder der unerfahrene Taucher kämpft gegen diese Stimme im Hinterkopf an – und ertrinkt in Panik. Ok, dazwischen gibt es natürlich noch etwas: menthales Training und sich aus dieser Situation wieder gut herausbringen. Und genau das lernt man beim Solotauchen. Es gibt keinen Gruppenzwang! Wie oft erlebt man an einem See oder sogar an Höhlen, dass ein Taucher motiviert wird, doch den Tauchgang zu machen. „Komm schon, die Anreise war so lang. Mach den Tauchgang. Du wirst es sonst bereuen.“ Wer mit ungutem Gefühl tauchen geht, nimmt Problem Nr. 1 mit unter Wasser. Dann kommt eventuell noch Problem Nr. 2 und die Panikspirale nimmt ihren Lauf.
Der Solotaucher muss das mit sich alleine ausmachen. Er macht SEIN Risikomanagement und entscheidet unter Wasser, ob er weiter taucht oder nicht. Geht was schief, hat er seinen Rettungsplan. Man taucht viel fokussierter und lernt dabei seine Ausrüstung immer weiter zu perfektionieren. Mit diesen Skills wird man definitiv ein besserer Taucher und kommt auch aus schwierigen Situationen meist gut heraus.
Ich habe mehrere Hundert Solotauchgänge in Bergwerken und Höhlen und bestimmt mehr als 100 Solotauchgänge in Seen hinter mir. Und ja, ich hatte auch Probleme. Auf 110m Tiefe im Attersee, als mein rEVO-Rebreather keinen Sauerstoff mehr liefern wollte, Im Bergwerk, als mein SF2 abgesoffen ist und ich habe mich auch mal in einem Bergwerk bei extrem schlechter Sicht mit Scooter komplett in meiner Leine verheddert. In allen Fällen waren die Probleme von mir selbst produziert und in allen Fällen bin ich ruhig und entspannt aus der Situation herausgekommen… nicht weil ich ein so toller Taucher bin, sondern weil ich viel fokussiert und Solo getaucht bin und noch mehr geübt habe. Diesen Denkansatz verdanke ich meinem ersten Tec-Ausbilder Holger Stock, der leider auch nicht mehr unter uns ist.
Mein Rat an interessierte Solo-Taucher. Es gibt Kurse zum Solotauchen. Viele sind aber sehr oberflächlich und geben merkwürdige Parameter vor. Mach ruhig einen Kurs. Taste dich langsam an das Thema heran. Über in bekannten Umgebungen. Finde deine NoGo-Bereiche. Und wenn du merkst, dass ist nichts für dich, dann denke auch mal über deine Buddy Tauchgangsplanung nach. Was ist, wenn dein Buddy ein ernsthaftes Problem hat? Einen Herzinfarkt? Er ertrinkt? Er ohnmächtig wird? Bist du menthal und auch sonst in der Lage, ihm zu helfen? Wenn nicht, dann bist du nicht sein Buddy, sondern seine Gefahrenquelle!
Das Foto oben ist ein Selfie, entstancden bei einem meiner vielen Solotauchgäge in einer Schiefermine.
